Nice-Reis in China

13. September 2011

Mannheim 2 – eine Autosinfonie

Na ja, und Mannheim, eine ruhige badische Grossstadt, einstmals bedeutender Industrieort (Automobile, aber auch anderes), heute in einer Fase der Umgestaltung. Man kann hier ganz gut leben (naturgemäss nicht nur wegen des kulturellen Lebens), es gibt das anerkannte Nationaltheater, die bedeutende Kunsthalle , eine Reihe guter Museen und auch im Pop-Rock-Genre interessante Unternehmungen—UND: Mannheim will europäische Kulturhauptstadt werden. Man fragt sich zu welchem Nutzen & Frommen? Droht doch wieder eine Stadt an der Aufgabe “Kulturhauptstadt” zu scheitern – das schon vor dem Jahr des Ereignisses, nämlich die sehenswerte und kulturell entwickelte portugiesische Stadt Guimarães!

Dazu soll als merkwürdiger Auftakt die sog. “autosymphonic” am Wasserturm dienen? Ein Mega-Event von guinesshaften Rekordaussmassen:  Ein ganzes Sinfonieorquester, ein Chor aus Stuttgart, 80 alte Autos mit 120 jungen Percussionsschülern (gebt der Jugend eine Chance/Jugend ist Zukunft usw), der Komponist  Marios Joannou Elia (Zypern) und Horst Hamann (vertikaler Fotoband über NY). “Die Söhne Mannheims” treten zur Einstimmung (?) auf. Die show beginnt um 17.00h mit dem Einlass; um 20h spielen Die Söhne auf, um 21.15h dann die “Welturaufführung” genannte “autosymphonic”, die bereits gegen 22.15h zuende sein soll. Und dafür der ganze Aufwand??? Ab Montag, 7.9. Absperrungen rund um den Wasserturm, dann die anschliessende Aufbauorgie mit grösstem Einsatz und volkstümlichen Eintrittspreisen – für 27,50 € kann man stehen und für 195.- € darf man sitzen und bekommt noch einen Begrüssungschampagner! Ach so – die ganze chose war der “Höhepunkt” der Feierlichkeiten zum 125jährigen Bestehen des Automobils.

Es ist immer beruhigend zu sehen, dass, wenn eine Technik oder ein System ans Ende der Entwicklung gekommen sind, sie noch einmal von der Klassik geadelt oder erhoben werden müssen und zwar mit allem Popanz, der dafür bereit steht.

Wäre es nicht  zweckdienlicher gewesen, ein paar der alten Karren zu zertrümmern, coram publico? Allerdings gab’s das schon, auch auf deutschen Bühnen. Na ja, da gäbe es zuviele Tränen, lassen wir das. Oder wollen die Ingenieure, Techniker, Unternehmer, Politiker…und einfachen Leut’ wirklich erst warten, bis Brasilien/Indien/China usw. usf. genausoviele Autos pro Kopf herumfahren lassen wie die superreichen europäischen EU-Länder?

Viel Glück & Spass dabei.

Mannheim - Am Waserturm: Bühnenaufbau "autosymphonic"

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